AMERICAN PSYCHOLOGY ASSOCIATION ANNUAL MEETING 2021

American Psychology Association Annual Meeting 2021

Das American Psychology Association Annual Meeting 2021 in den Worten von Herrn Prof. Dr. Ion-George Anghelescu, dem geschäftsführenden Chefarzt des Mental Health Institute Berlin.

Vom 1.-3. Mai fand das alljährliche APA Annual Meeting statt, an dem Prof. Dr. Anghelescu ebenfalls teilgenommen hat. Einen Einblick in die Inhalte des diesjährigen Symposiums und einige eigene Gedanken hat Herr Anghelescu unserem Journal zur Verfügung gestellt. Diese möchten wir nun gerne auch mit Ihnen teilen.

Diversität, Gleichheit und Inklusion

Anfang Mai fand der Kongress der American Psychiatric Association, diesmal exklusiv online mit 135 Symposien und 1300 interaktiven Posterpräsentationen, statt (https://www.psychiatry.org/psychiatrists/meetings/annual-meeting/).
Er stand unter dem Motto: „Diversity, equity and inclusion“ (Diversität, Gleichheit und Inklusion“ und wies somit ein weit gefächertes Vortrags- und Symposiumsrepertoir auf. So berichtete zum Beispiel Lawrence J. Kirmayer über „Mind-Brain-and-Culture instead of biopsychosocial – ecosocial psychiatry“. Darin ging es um die große Bedeutung des kulturellen Kontextes für Diagnostik und Behandlung psychischer Erkrankungen. Gerade hier bei uns in Berlin treffen verschiedenste Kulturen aufeinander und die Kenntnis um Verbindendes („Conditio Humana“) und gleichzeitig auch Unterschiede in der Wahrnehmung psychischer Leiden erleichtert die Zuordnung der Erkrankungen und daraus abgeleitet die spezifischen individuellen Therapien. Auch mechanistische Erklärungen sollten in biographische Narrative eingebettet sein. Dies ist zwar schon lange Bestandteil unserer täglichen Arbeit in allen Settings, tagesklinisch und ambulant, sollte dennoch immer wieder betont werden. Ein weiterer Schwerpunkt stellte in diesem Kontext „Anti-Asian American Racism“ dar in Ergänzung zu afroamerikanischer „Mental Health“. Schließlich spielten globale, politische und soziale Aspekte (Coronavirus/COVID-19 und Klimawandel) neben der regionalen Sozialpsychiatrie und neuer Technologie (Telepsychiatrie) die wichtigste Rolle.

Als Antidepressivum mit neuartigem Wirkprinzip wurde Esketamin, insbesondere als nasale Applikationsform, ausführlich diskutiert, wobei alle Behandlungsaspekte, von der Wirksamkeit und der Verträglichkeit bis zur praktischen Anwendung kritisch und ausgewogen gewürdigt wurden. Richard C. Shelton tat dies in seinem Vortrag unter dem Titel “Ketamine for Depression: Is The Hype Holding Up? Mechanisms and Evidence“.

In Deutschland ist dieses Präparat seit 2019 erhältlich und erhielt jetzt neben der Indikation „therapieresistente Depression“ auch die offizielle Zulassung zur Behandlung depressiver Episoden im psychiatrischen Notfallsetting – auch mit Suizidalität. Wir können diese Substanz ebenfalls bei uns in der Klinik nach Rücksprache mit der jeweiligen Krankenversicherung einsetzen.

Vom NMDA-Rezeptor-Antagonisten Esketamin abgeleitet, werden derzeit verschiedene möglicherweise auch oral wirksame glutamaterge Substanzen klinisch untersucht. Wir versuchen am MHI alle Neuerungen im Auge zu behalten und nach Zulassung in den praktischen Alltag zu integrieren.

In einem Symposium unter dem Vorsitz von Bernardo Ng wurden beruhigende, achtsamkeitsfördernde Atemtechniken für Mütter mit Neugeborenen vorgestellt. Mittlerweile gibt es dazu auch prospektive randomisiert, also methodisch hochwertige Studien, die die positiven Effekte in einer „unsicheren Welt“ dokumentieren („Coherent breathing reduces anxiety pre- and post-partum; in an insecure world breath-based practices promote secure attachment.“). Bruce Godfrey Pollock befasste sich in seinem Vortrag mit den verschiedenartigen Herausforderungen einer angemessenen, sicheren Psychopharmakologie in höherem Lebensalter („The challenges of clinical Pharmacology and Pharmacogenetics in Late Life“). Neben der allgemeinen reduzierten Verstoffwechselung von Medikamenten aufgrund eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion scheint gerade ein bestimmtes Isoenzym der Leber (Cytochrom-P450-2C19) inaktiv zu sein. Dieses ist für die Verstoffwechslung verschiedener Antidepressiva, Protonenpumpenhemmer und Clopidogrel wichtig. Im Alter werden diese Substanzen somit weniger stark abgebaut und können aufgrund höherer Serumkonzentrationen zu mehr Nebenwirkungen führen.

Stephen B. Levine berichtete in seinem didaktisch hochwertigen Vortrag über klinische Sexualität im psychiatrischen Kontext. Dieses für Menschen in unterschiedlichem Ausmaß bedeutsame Thema wurde von ihm in „einfachere“ und „komplexere“ Herausforderungen eingeteilt. Zu den ersteren gehören das Monitoring von sexuellen Nebenwirkungen von Medikamenten, zu letzteren der Umgang mit Liebeskummer und Wiederetablierung sexueller Aktivität bei langjährigen Beziehungen, in denen dieser Bereich problematisch ist.

Ein hochinteressanter Vortrag, in dem innerhalb von 20 Minuten alle wichtigen, neuen Daten zu COVID-19 zusammengefasst wurden, stammte von Anthony Fauci. Er war eingeladen worden, da sowohl akut als auch längerfristig Folgen durch das Virus selbst, aber auch aufgrund der politisch-gesellschaftlichen Maßnahmen bei der psychischen Gesundheit festgestellt werden. Dies bekommen wir auch in unserer Tagesklinik und Ambulanz am MHI täglich zu spüren.


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